Schlupf im Stall: Anses verzeichnet bessere Leistungen bei Puten

Was die Studie gemessen hat

Schlupf im Stall – die Auswirkungen auf Puten könnten Sie überraschen. Eine experimentelle Untersuchung der ANSES zeigt, dass das direkte Schlüpfen der Putenküken im Stall den Start ins Leben grundlegend verändert und das Wachstum bis zum Schlachtzeitpunkt beeinflusst.

Die ANSES untersuchte den Stallschlupf unter kontrollierten Bedingungen. Als Versuchstier diente eine schnellwachsende Putenlinie der Sorte BUT Premium. Die Eier wurden 23 Tage lang bebrütet. Anschließend schlüpften bestimmte Gruppen auf einem beheizten Boden, der direkt im Aufzuchtbereich installiert war. Männliche und weibliche Tiere wurden in getrennten Abteilen gehalten. Die angestrebte Temperatur an der Eischale während des Schlupfs betrug 37°C.

Eindrucksvolle Ergebnisse von Beginn an

Der erste Befund ist eindeutig: Die Schlupfrate liegt beim Stallschlupf deutlich höher. Sie erreicht 87,9 Prozent, verglichen mit 80 Prozent beim herkömmlichen Schlupf in der Brüterei. Zudem wiegen die Küken aus dem Stallschlupf direkt nach dem Schlüpfen spürbar mehr. Am ersten Lebenstag beträgt der Gewichtsvorteil +14,7 Prozent zugunsten des Stallschlupfs.

Dieser Unterschied verändert sich im Laufe der Zeit. An Tag 1 schrumpft der Abstand auf +5,2 Prozent – wahrscheinlich weil Küken aus der Brüterei einen verzögerten Zugang zu Wasser und Futter hatten und diesen Rückstand durch vermehrte Nahrungsaufnahme kompensieren. Ab Tag 7 steigt der Vorteil dann wieder auf beachtliche +16,7 Prozent.

Langfristig wirken sich diese frühen Unterschiede auch auf das Schlachtgewicht aus. Weibliche Tiere bringen beim Schlachten im Schnitt 5,1 Prozent mehr auf die Waage. Bei den männlichen Tieren liegt der Gewinnvorteil bei durchschnittlich 4,4 Prozent. Das ANSES-Team folgert daraus, dass das Wachstum in den ersten Lebenstagen einen direkten Einfluss auf die gesamte weitere Wachstumsphase hat.

Was sich nicht verändert hat

Trotz dieser Gewichtszuwächse zeigt die Studie bei mehreren wichtigen Kriterien keine wesentlichen Unterschiede. Der Futteraufwand – also der Futterverbrauch je Kilogramm Gewichtszunahme – unterscheidet sich nicht nennenswert zwischen den beiden Systemen. Auch die Sterblichkeitsrate bleibt in beiden Gruppen vergleichbar. Die Fleischqualität verbessert oder verschlechtert sich statistisch gesehen ebenfalls nicht signifikant.

Grenzen und offene Fragen

Die vorliegenden Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf zootechnische Leistungsparameter und gelten als vorläufig. Mehrere Faktoren erfordern noch eingehendere Untersuchungen. So ist der Energieverbrauch nicht zu vernachlässigen: Das Beheizen des Bodens und die Steuerung der Belüftung können die Betriebskosten erhöhen. Eine fundierte Kosten-Nutzen-Analyse ist für Landwirte daher unerlässlich.

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Auch die hygienische Kontrolle des Bodenschlupfs spielt eine entscheidende Rolle. Die ANSES betont die Notwendigkeit, das Management mikrobiologischer Risiken gezielt zu untersuchen. Weitere Faktoren verdienen Aufmerksamkeit: Das Alter der Elterntiere kann die Eiqualität beeinflussen, und die Rolle des Darmmikrobioms der Küken stellt einen vielversprechenden Forschungsansatz dar.

Was bedeutet das für Geflügelhalter?

Für Landwirte werfen diese Ergebnisse ernsthafte Fragen auf. Der Stallschlupf verspricht letztlich Gewichtszuwächse, die die Produktivität steigern können. Allerdings müssen Investitionen in die notwendige Ausrüstung eingeplant werden. Ebenso sind ein konsequentes Gesundheitsmanagement und ein sorgfältiger Vergleich zwischen Energiekosten und dem möglichen Mehrertrag beim Schlachten notwendig.

Darüber hinaus kann die Temperaturschwankung im Stall zu Steuerungsschwierigkeiten führen. Die Studie weist auf eine höhere Variabilität bei der Stallvariante hin – das verlangt nach einer zuverlässigen Regelungstechnik und klar definierten Abläufen.

Warum weitere Forschung unverzichtbar ist

Die ANSES-Studie ist ein Ausgangspunkt, der den Weg für ein mehrjähriges Forschungsprogramm ebnet. Die Ergebnisse gelten für die Stallvariante als „positiv". Dennoch müssen diese Beobachtungen an größeren Tiergruppen bestätigt werden, bevor Verallgemeinerungen zulässig sind. Außerdem müssen wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen unter realen Haltungsbedingungen beziffert werden.

Es ist zu erwarten, dass sich Pilotversuche in den kommenden Jahren häufen werden. Diese müssen Gesundheitsüberwachung, Energieeffizienz und Tierwohl miteinander verbinden. Gelingt es, diese Hürden zu überwinden, könnte der Stallschlupf zu einer ernstzunehmenden Option für die Optimierung der Putenproduktion werden.

Author

  • Sally Özcan ist eine der bekanntesten deutschen Creatorinnen im Bereich Kochen und Haushalt. Mit ihrem Projekt „Sallys Welt“ begeistert sie seit Jahren Millionen Menschen mit alltagstauglichen Rezepten, Küchen-Hacks und praktischen Tipps für ein gut organisiertes Zuhause. Als Redakteurin und Expertin liefert sie verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die man sofort umsetzen kann – von schnellen Ideen für den Alltag bis zu cleveren Tricks, die Zeit und Nerven sparen.

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