Warum weinst du im Frühling leichter? Laut Poul Videbech liegen diese 4 hormonellen Veränderungen dahinter

Frühling und Tränen – kein Zufall

Hast du das Gefühl, dass dir im Frühling die Tränen schneller kommen als im Rest des Jahres? Du bist damit nicht allein – und es steckt handfeste Biologie dahinter. Der renommierte Psychiater und Hirnforscher Poul Videbech erklärt, warum unsere Emotionen ausgerechnet in dieser Jahreszeit so nah an der Oberfläche liegen.

Es geht nicht darum, dass du plötzlich empfindlicher geworden bist. Dein Körper durchläuft im Frühling eine echte hormonelle Umstellung – und die hat direkte Auswirkungen auf deine Stimmung und deine emotionale Reaktionsfähigkeit.

Diese 4 hormonellen Veränderungen spielen eine Rolle

1. Melatonin sinkt – dein Gehirn erwacht neu

Im Winter produziert dein Körper deutlich mehr Melatonin, das sogenannte Schlaf- und Dunkelhormon. Wenn die Tage im Frühling länger werden, fährt die Produktion spürbar zurück. Das klingt zunächst positiv – und ist es auch. Aber dieser Übergang versetzt das Gehirn in eine Art Neukalibrierungsphase.

In dieser Phase reagiert das emotionale Zentrum des Gehirns sensibler auf äußere Reize. Kleinigkeiten, die im Winter kaum aufgefallen wären, können plötzlich tiefe Gefühle auslösen – darunter eben auch Tränen.

2. Serotonin steigt – aber nicht gleichmäßig

Mehr Sonnenlicht bedeutet mehr Serotonin, den Neurotransmitter, der oft als „Glückshormon" bezeichnet wird. Das klingt durchweg gut – doch der Anstieg verläuft nicht linear. Unser Nervensystem braucht Zeit, sich an den neuen Spiegel anzupassen.

Während dieser Eingewöhnungsphase kann es zu emotionalen Schwankungen kommen. Freude und Wehmut liegen dann erstaunlich nah beieinander, was erklärt, warum viele Menschen im Frühling sowohl aufgeweckter als auch rührbarer wirken.

3. Cortisol verändert seinen Rhythmus

Das Stresshormon Cortisol folgt einem klaren Tagesrhythmus – und dieser Rhythmus verschiebt sich mit dem Frühjahr. Durch die früher aufgehende Sonne verändert sich der Zeitpunkt des morgendlichen Cortisol-Peaks, was unseren gesamten Biorhythmus beeinflusst.

Diese Verschiebung kann vorübergehend zu einer erhöhten emotionalen Reizbarkeit führen. Das Gehirn interpretiert Veränderungen im Cortisol-Muster mitunter als Stresssignal – selbst dann, wenn äußerlich kein Grund zur Anspannung besteht.

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4. Östrogen und Testosteron nehmen zu

Nicht nur bei Frauen, auch bei Männern steigen im Frühling die Spiegel der Sexualhormone leicht an. Östrogen ist eng mit der emotionalen Verarbeitungstiefe verknüpft und beeinflusst direkt, wie intensiv wir Gefühle erleben.

Ein erhöhter Östrogenspiegel kann dazu führen, dass emotionale Eindrücke stärker verarbeitet und abgespeichert werden. Das macht uns empfänglicher für Berührendes – schöne Momente, aber auch Trauriges, wirken schlicht tiefer.

Emotionale Sensibilität ist kein Schwächezeichen

Wer im Frühling leichter weint, sollte das nicht als Problem betrachten. Poul Videbech betont, dass diese saisonale emotionale Offenheit ein natürliches biologisches Phänomen ist – kein Zeichen von Instabilität oder Schwäche.

Unser Gehirn und unser Hormonsystem reagieren auf die Jahreszeiten, genauso wie die Natur selbst sich verändert. Das Frühlingsgefühl ist also nicht nur Metapher – es ist messbare Biochemie.

Was kannst du tun, wenn die Gefühle überwältigend werden?

  • Schlaf priorisieren: Ein stabiler Schlafrhythmus hilft dem Körper, den Melatonin-Abfall besser zu verkraften.
  • Täglich rausgehen: Moderates Sonnenlicht reguliert den Serotonin-Anstieg sanfter und gleichmäßiger.
  • Bewegung einbauen: Sport beeinflusst sowohl Cortisol als auch Serotonin positiv und stabilisiert die Stimmung.
  • Gefühle zulassen: Wer seinen Emotionen im Frühling Raum gibt, statt sie zu unterdrücken, kommt schneller ins emotionale Gleichgewicht.
  • Professionelle Hilfe suchen: Hält die emotionale Erschöpfung länger an, kann ein Gespräch mit einem Arzt oder Psychologen sinnvoll sein.

Frühling als emotionale Schwelle

Die Jahreszeit des Aufbruchs ist eben auch eine Jahreszeit der inneren Bewegung. Die vier hormonellen Veränderungen – der Rückgang von Melatonin, der Anstieg von Serotonin, die Verschiebung im Cortisol-Rhythmus und der Anstieg der Sexualhormone – greifen ineinander und formen gemeinsam ein emotionales Klima, das uns zugänglicher macht.

Das nächste Mal, wenn dir im April die Tränen kommen, obwohl eigentlich alles gut ist: Dein Körper macht gerade Frühling. Und das ist vollkommen in Ordnung.

Author

  • Sally Özcan ist eine der bekanntesten deutschen Creatorinnen im Bereich Kochen und Haushalt. Mit ihrem Projekt „Sallys Welt“ begeistert sie seit Jahren Millionen Menschen mit alltagstauglichen Rezepten, Küchen-Hacks und praktischen Tipps für ein gut organisiertes Zuhause. Als Redakteurin und Expertin liefert sie verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die man sofort umsetzen kann – von schnellen Ideen für den Alltag bis zu cleveren Tricks, die Zeit und Nerven sparen.

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